Wie Bewertungen die Selbstliebe attackieren

Jeder von uns sucht sich seine Eltern aus, bevor er in dieses Leben geboren wird. D.h. wir haben einen gewissen Plan für dieses Leben, auch wenn er sich uns mit unserem Alltagsbewusstsein nicht erschließt.

Im Plan enthalten sind eventuell auch Aspekte, die wir mitbringen in dieses Leben. Das klammern wir im Rahmen dieser Betrachtung aber aus.

Wie Du gemeint bist

Jeder Mensch ist individuell, und das ist gut so.

Von Natur aus sind wir fröhlich und unbeschwert wie ein Kind. Von Natur aus ist unsere Liebe zu uns selbst vollständig. Bewertungen durch andere oder durch uns selbst spielen keine Rolle. Die Energie fließt frei in all ihren Facetten.
So wie wir dann sind, so sind wir gemeint.

Welche konkrete Ausprägung das bei Dir ist, kannst Du nur selbst herausfinden. Jeder kann sich mit seinen Begabungen, seinen Interessen und seinen Besonderheiten einbringen und dafür geliebt und geschätzt sein. Wenn Du Dich also mit all Deinen Facetten selbst liebst, ist das genau richtig.

Bewertungen

Bewertungen sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig.

Die Ursachen von Eigen-Bewertungen liegen im Wesentlichen in zwei unterschiedlichen Wirkungsebenen und sind damit verbunden mit unterschiedlichen Beschränkungstypen.

1. Die zwischenmenschliche Ebene:

Sind durch Bewertungen auf der zwischenmenschlichen Ebene, Beschränkungen entstanden, bleibt schnell ein Gefühl von "Ich bin nicht genug" oder "Ich muss um Anerkennung kämpfen" präsent. Das kann dann leider ein dauernder Begleiter des Lebens werden.

In dieser Art der beschränkenden Kommunikation kann ein komplexes Macht-Ohnmacht-Gefüge entstehen, dass in der Regel aus Blockaden und Löchern aufgebaut ist. So lange diese Beschränkungen in der Aura existieren, ist eine freie Kommunikation zu den entsprechenden Menschen kaum möglich. Das sind dann die Menschen, die einen leicht auf die Palme bringen.

2. Die gesellschaftliche Ebene

Die gesellschaftliche Ebene ist eine völlig andere, deren Wirkung aber ebenso stark und oft nicht direkt zu erkennen ist.

Inhaltlich kann man ein Wertesystem erkennen, in dem wir navigieren, um unseren Platz in der Gesellschaft zu finden (Mein Haus, mein Boot, mein Auto, mein Job). Dieses Wertesystem weicht in den unterschiedlichen Kulturkreisen natürlich stark ab.

Energetisch betrachtet ist es ein anorganisches System, zu dem wir als organische Lebensform zunächst erst einmal im Widerspruch stehen. Von Zensuren in der Schule bis zur Anerkennung über Berufsqualifikationen erstreckt sich ein komplexes Regelwerk, dass darüber entscheidet, ob ich gut bin oder schlecht.

Natürlich entstehen auch hierüber Beschränkungen. Diese Beschränkungen haben allerdings eine ganz eigene Charakteristik. Es sind geometrische Figuren, wie Pyramiden, Tetraeder, Dodekaeder usw., die sich zu größeren Strukturen aufbauen und ihre Wirkung vervielfachen. (Einen optischen Eindruck gewinnt man, wenn man sich Kristallsysteme in der Kristallographie anschaut.) Ist ein Mensch an gesellschaftlichen Wertigkeiten orientiert, spielen diese Art von Beschränkungen eine tragende Rolle.

Oft sind sie eng verzahnt mit persönlichen Beschränkungen: Ein Mensch, der in seiner Kindheit nicht die volle Anerkennung für sein pures Dasein erfahren durfte, könnte besonders ehrgeizig werden, um es allen und der ganzen Welt zu zeigen. Das kann er auch schaffen. Es macht ihn aber nicht glücklicher, solange er die eigentliche Ursache nicht bearbeitet hat.

Ein Mensch, der sich über andere stellt ("Ich bin besser als Du"), hat offensichtlich nicht genug Kraft und er hat Angst davor, dass das auffliegt! Das können jetzt persönliche Mängel, wie Blockaden und Löcher sein oder eine Mischung mit gesellschaftlichen Beschränkungen. Das gleiche gilt für den Menschen, der ständig in der Opferrolle ist ("Ich bin schlechter als Du").

Wenn Du diese Zeilen über geometrische Beschränkungen liest, fühlt sich das direkt scheiße an, oder? Spürst Du Druck auf dem Kopf?

Es wäre weltfremd, Bewertungen komplett abzulehnen. So gibt es auch in der Tierwelt die Hackordnung zur Arterhaltung und -weiterentwicklung. Es braucht auch bei der Spezies Mensch nicht jeder Anführer in einer Gruppe zu sein, um sich wohl zu fühlen. Menschen sind so vielschichtig, dass jeder seinen Platz haben kann. Bewertungen helfen uns auch, unseren Alltag zu sortieren und uns schnell und einfach zurecht zu finden. Insoweit sind Bewertungen nicht wegzudenken.

Uns geht es um folgende Punkte:

Bewertungen haben ein hohes Potenzial, bei anderen Beschränkungen in der Aura entstehen zu lassen. Sollte eine Beschränkung entstanden sein durch eine Bewertung, fügt sie uns solange Schaden zu, bis sie wieder aufgelöst wird.

Nicht jede Bewertung erzeugt auch automatisch eine Beschränkung. Man kann auch mit stolz geschwellter Brust sagen: „Das xyz zählt nicht zu meinen Stärken“.

Es ist nicht immer eine Bewertung anderer notwendig. Wenn doch, kann sie meistens auch so verpackt werden, dass sie bei einem anderen Menschen keine Beschränkung erzeugt.

Die Wirkung falscher Kritik

Unsere Sprache ist ein mächtiges Werkzeug. Damit kannst Du viel richtig und viel falsch machen.

Kritik und Mecker sind aus der Kindererziehung leider nicht so einfach wegzudenken, den Kinder brauchen Grenzen, damit sie sich innerhalb derer frei entwickeln können.

Wenn (berechtigte) Tadel und Kritik an der Handlung ansetzen, sind sie ggf. richtig. „Das hast Du falsch gemacht.“ Das Kind weiß, dass es eine Grenze überschritten hat mit seiner Handlung. Seine Existenz und die Grundfesten des Seins, die Liebe und Zuneigung der Eltern, sind aber nicht in Frage gestellt.

Alle Kritik die mit „Du bist…“ anfängt, ist eine Kritik am Sein des Gegenübers. „Du bist…“ ist auch eine Bewertung, die im Rahmen von Kritik meist nicht positiv gemeint ist. Wenn die Kritik trifft, kann eine Beschränkung vom Typ Loch in der Aura entstehen.

Nicht immer führt falsche Kritik direkt zu einer Beschränkung in der Aura. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehört vor allem, wie viel Lebenskraft Chi die kritisierte Person hat, d.h. je mehr Lebenskraft, desto stärker der eigene Schild. Es hängt aber noch von weiteren Faktoren ab, wie z.B. der eigenen Bewertung im kritisierten Punkt oder der Verbundenheit zu der Person, welche die Kritik äußert.

Die eigene Bewertung -  die Selbstliebe

Der schlimmste Kritiker seiner selbst ist man auch oft selbst.

Man sieht die auf Hochglanz polierten und mit Bildbearbeitung optimierten Fotos von Models und Stars in Zeitschriften und Fernsehen und denkt: „Die sind was besonderes. Die sind wahrhaft schön. Die sind super trainiert. Die haben ein schönes Leben, usw.“

Man denkt dann leider oft auch: „Ich bin nicht so schön. Ich bin nicht so gut trainiert. Ich bin nicht so cool. Nicht so leistungsfähig. Nicht so begabt. Usw.“ D.h. es findet sofort eine Bewertung des eigenen Seins statt, welche negativ ist. Der Ursprung dieser Gedanken ist eine bestehende Beschränkung. Je mehr man sich ihm hingibt, desto wahrscheinlicher sind weitere Erlebnisse, bei denen die eigene Bewertung durch andere „bestätigt“ wird und weitere Beschränkungen hinzukommen.

Von der logischen Betrachtung her wissen wir, dass nicht jeder in jeder Disziplin der Beste sein kann. Die Grenzen der Logik haben wir bereits besprochen, sie verhindert nicht, dass bestimmte Gefühle hochkommen, die an Beschränkungen hängen.

Mangelnde Selbstliebe ist oft ein unbestimmtes Gefühl. Man merkt, dass etwas fehlt, aber kann nicht genau greifen was. Erinnere Dich an peinliche Situationen, wo Du am liebsten einfach im Boden verschwunden wärest. Das Gefühl, was dann hoch kommt, hängt mit einem Loch zusammen. Es kann auch Elemente von Trauer und Enttäuschung enthalten.

Unterbewusste Eigenstrategien

Fließt Energie permanent ab, sucht man Unterbewusst nach Möglichkeiten, die Löcher zu stopfen. Im gesellschaftlichen Kontext ist das Anerkennung von anderen, da ein Lob ein Energieschub ist. Das ist Beginn des Hamsterrades.

Schneller, weiter, höher, fleißiger, gebildeter, reicher, Haus, Auto, Boot. Die mathematische Gleichung dafür ist: Arbeit + Überstunden + Training für den schönen Körper + Zeit mit dem Partner + Zeit mit den Kindern + Posing vor den anderen = Burnout oder früher Tod durch Herzinfarkt.

Stars aus Film und Musik fließt von ihren Fans Energie zu über Lob und Bewunderung. Besonders prägnant ist es, wenn sie auf der Bühne stehen und den direkten Kontakt zum Publikum haben. Es erzeugt ein Hochgefühl durch die viele Energie. Wenn dann die Show vorbei ist und das Publikum weg, fällt der Energielevel wieder auf den Normalzustand zurück. Es ist ein extremes Auf und Ab, wenn „normal“ ein Mangelzustand ist. Kein Wunder also, dass viele damit schwer zu kämpfen haben, exzentrisch werden und Drogen nehmen.

Ein typischer und deutlich häufigerer Weg als Rockstar zu werden, ist, Experte zu werden auf seinem Arbeitsgebiet. Die eigene Definition läuft dann auch über die Arbeit. Man ist Arzt, Bäcker, Börsenmakler, Schreiner, Architekt usw. D.h. man zieht sich auf ein Hauptgebiet zurück, baut Fachwissen auf und versucht darüber, die Anerkennung und Energie von anderen zu erhalten.

Das ist in unserer arbeitsteiligen Welt zunächst natürlich in Ordnung. Die Energie-Mängel und der Mangel am Selbstwert an anderer Stelle bleiben jedoch erhalten.

Folgendes Bild passt gut zu Lob und Anerkennung:

Wenn man 20 Eimer Lob-Wasser in ein Planschbecken schüttet, lässt sich darin vortrefflich baden. Wenn der Boden aber Löcher hat, fließt das Wasser ab. Im Leeren zu sitzen, ist nicht so berauschend.

Es sind zwei unterschiedliche Aktivitäten, die Löcher zu stopfen oder neue Eimer mit Lob-Wasser zu organisieren. Und ist man ein noch so großer Star und die Fans fluten das Planschbecken mit Lob-Wasser, irgendwann ist es wieder leer gelaufen und das miese Gefühl ist zurück. Stopft man die Löcher, fließt das Planschbecken über und das Lob-Wasser fließt als Liebe und Güte von Dir auch noch zu anderen.

Lernpunkte

Du bist für dieses Leben so gemeint, wie du wärst, wenn Du frei von Beschränkungen bist. Vollständige Selbstliebe ist der natürliche Zustand.

Negative Selbst-Bewertungen sind Folge von Beschränkungen und zugleich die Triebfeder zum Aufbau weiterer Beschränkungen. Hier gibt es zwei Arten von Wertesystemen, die auf uns einwirken. 1. Die zwischenmenschliche Kommunikation 2. Die gesellschaftliche Ebene.

Kritik, welche an der Handlung ansetzt, ist ggf. angemessen. Kritik mit „Du bist…“ ist eine Kritik am Sein des anderen, eine Bewertung und kann zur Entstehung von Beschränkungen vom Typ "Loch" führen.

Lob und Anerkennung bedeuten einen Zufluss von Energie, welcher den eigenen Energiemangel kurzzeitig ausgleichen kann. Das fühlt sich sehr gut an. Energetische Löcher schließen sich aber nicht.

Unterbewusste Eigenstrategien, zielen auf Anerkennung von außen. Da diese schnell verpufft, versucht man, eine nach der anderen zu erhalten. Das ist der Beginn des Hamsterrades.